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Das Deutschlandjahr in Indien
Grußwort Bundespräsident Joachim Gauck, Schirmherr "Deutschland und Indien 2011-2012: Unendliche Möglichkeiten"

Für eine alte Hochkultur wie Indien sind 60 Jahre nur ein Augenblick. In der modernen Staatenwelt sind sechs Jahrzehnte diplomatischer Beziehungen und enger Freundschaft ein freudiger Anlass, der eine besondere Würdigung verdient.

Quelle: "Presse- und Informationsamt der Bundesregierung"Unsere beiden Länder tun genau dies – mit einem indischen Kulturjahr in Deutschland, das gerade beim traditionellen Hamburger Hafengeburtstag seinen Auftakt gefeiert hat, und mit einem Deutschlandjahr in Indien, dessen Schirmherr ich gern geworden bin. Es steht unter dem schönen Titel: "Unendliche Möglichkeiten“. Das trifft es gut, denn wir können unendlich viel voneinander lernen, wenn wir aufeinander neugierig sind und unsere Herzen und Seelen füreinander öffnen.

Welch unendliche Möglichkeiten des menschlichen Zusammenlebens es gibt, das zeigt der thematische Schwerpunkt des Deutschlandjahres in Indien: Stadträume. Vor hundert Jahren lebten noch neun von zehn Menschen in Dörfern. Bis Mitte des Jahrhunderts werden rund zwei Drittel der Menschheit dagegen in Städten leben. Wie werden diese Städte aussehen? Werden es Mega-Slums mit reichen Wohlstandsinseln sein oder gelingt es, sichere und lebenswerte Großstädte aufzubauen? Auch Indiens schnell wachsende Metropolen stehen vor diesen Fragen. Ihre Erfahrungen sind wichtige Wegweiser für andere Städte weltweit. 

Auch jenseits dieses Themas gibt es für uns Deutsche unendlich viel Faszinierendes in Indien – und eine lange Geschichte der Faszination. Ein Beispiel unter vielen ist im frühen 19. Jahrhundert Friedrich Rückert dessen von Indien inspirierte Gedichte für den Mitbegründer der modernen Indologie, Max Müller, zu den schönsten Werken der deutschen Sprache gehörten. Und der preußische Gelehrte Wilhelm von Humboldt bezeichnete die Bhagavad Gita als "vielleicht das einzig wahrhafte philosophische Gedicht, das alle uns bekannten Literaturen aufzuweisen haben".

Das moderne Indien fasziniert nicht minder. Die größte Demokratie der Erde wird mit ihrem wirtschaftlichen und kulturellen Reichtum die Welt des 21. Jahrhunderts entscheidend prägen. Es ist gut, dass die zahlreichen Aktivitäten anlässlich des Jubiläums des gegenseitige Interesse und Verständnis vertiefen. Mögen sie lange fortwirken, ganz im Sinne von Friedrich Rückert: "Wenn du der Stunde dienst, beherrscht du die Zeit, wirk auf den Augenblick, er wirkt in Ewigkeit".